Kirchplatz
Der Kirchplatz mitten im alten Ortskern von Stöbnitz hat seinen Namen von der Kirche, welche diesen Ort weit sichtbar beherrscht.
Stöbnitz, ein Ortsteil von Mücheln wurde schon im Jahr 777 erstmalig in einer Urkunde Karls des Großen erwähnt. Das Dörfchen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einem Industriearbeiterdorf.
Am 1. Oktober 1939 wurde Stöbnitz in die Stadt Mücheln eingemeindet. Zu diesem Zeitpunkt zählte man 1.200 Einwohner in Stöbnitz.
Die industrielle Prägung des Umfeldes von Stöbnitz begann 1845 mit der Inbetriebnahme der Grube Pauline. 1864 wurde die Zuckerfabrik gegründet. Beides brachte Wohlstand in die Gemeinde und das Umland.
Der Kirchplatz mitten in der alten Ortslage von Stöbnitz gelegen, wird von der Kirche, Wohnhäusern und dem Verkehrsweg Stöbnitzer Straße begrenzt.
Alle Gebäude rund um den Platz sind nachweislich Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut und als Kulturbaudenkmale gelistet.
Um über die Entstehung und die Entwicklung des Dorfes Stöbnitz mehr zu erfahren, beschäftigte man sich in der Gemeinde schon Mitte der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts mit der Geschichte des Ortes.
Handschriftliche Aufzeichnungen sowie der Inhalt des Turmknopfes waren damals und heute hilfreich eine Chronik zu erstellen. Gemeindeaufzeichnungen belegen folgenden Schriftverkehr:
„Nach Anfrage bei dem Staatsarchiv Magdeburg teilte dasselbe unter dem 5. Juli 1937 folgendes mit: Über das Dorf Stöbnitz findet sich im Schrifttum und in den Urkunden und Akten nur sehr geringes Material. Es konnte festgestellt werden, da der Ort nicht nach dem 30-jährigen Krieg gegründet ist. Vielmehr ist bereits in den Akten des 16. Jahrhunderts das Dorf Stöbnitz erwähnt. Unseren Akten zufolge wurden 1470 von Breitenbauch mit Sitz und Hof Stöbnitz mit 10 Hufen Land beliehen. Sie blieben in diesem Besitz bis 1764 schuldenhalber Stöbnitz und St. Ulrich versteigert und von der Familie von Witzleben erworben wurde. Bereits 1770 kam der Ort an die Familie von Helldorff in deren Besitz er noch in der Folgezeit verblieb.
Unterschrift: der Staatsarchivdirektor gez.: Korn“
Die Kirche Stöbnitz wurde 1783 erbaut. Über den Vorgängerbau ist nicht viel bekannt.
Auskunft über den Kirchenbau und die Entwicklung des Ortes geben uns die Aufzeichnungen
des Turmknopfes, nachzulesen im Boten für das Geiseltal „Bilder der Heimat“ aus dem Jahr 1930.
Der Turmknopf von Stöbnitz erzählt, aufgeschrieben von Walter Harang
Ich der Turmknopf bin der Älteste unter euch in der Gemeinde.
Mein Geburtstag ist der 25. August 1783. An jenem Tag blickte ich zum ersten Male vom neuerbauten Kirchturm herab und habe seitdem getreulich achtgegeben auf alles was im
Dorfe unter mir und in der Umgebung, so ich zu überschauen vermag, ereignet hat.
Die alte Kirche, so jahrhundertelang hier in Stöbnitz gestanden war schon seit langem baufällig. Anno 1782, unter der Regierung des Kurfürsten Friedrich von Sachsen, des heiligen Römischen Reiches Erzmarschall, entschloss man sich, ein neues Gotteshaus zu bauen. Es ist der Anfang gemacht worden zum Einreißen den 11. März 1782 und ist zugebracht worden bis den 27. April. Der Grundstein ist gelegt den 22. März 1782. Er ist befindlich zur rechten Hand an der Turmecke 1½ Ellen dick, ein Sandstein, welcher ausgehauen und mit einer Platte bedeckt ist, darin sind die Namen in Stein gehauen: Johann Heinrich von Helldorff churfürstlich sächsischer Kammerherr, Prälat und Domherr zu Merseburg, Erb- Lehn- und Gerichtsherr auf St. Ulrich, Stöbnitz, Schmirma, Gröst usw,.
M. August Cnobloch, Superintendent zu Freyburg, Christoph Gottfried Dürr Gerichtsdirektor der Hochadlig helldorffschen Gerichte und Steuerprokurator, August David Trebbin Pastor zu Zorbau und Stöbnitz, Johann Friedrich, Schulmeister und Kirchendiener und Andreas Fehrmann, Kirchvater und Bauaufseher.
Den 28. August 1782 ist das neue evangelische Gotteshaus gerichtet. Und 1. September 1782 ist darin zum ersten Mal Kirche gehalten worden.
Der Turm wurde am 19. Juli 1783 gerichtet. Knopf nebst Fahne und Stern wurden den
25. August 1783 aufgesetzt durch Schieferdeckermeister Andreas Pantzer von Lehestein.
Als Geschenk bei Aufsetzen des Knopfes hat der Schieferdecker ein Paar Schuhe und ein Paar seidene Strümpfe, der Geselle eine Weste bekommen.
Im weiteren Verlauf wird die Entwicklung des Dorfes Stöbnitz bis in die 20-er Jahre geschildert.
Der Kirchenführer für das Obere Geiseltal, herausgegeben vom Kultur- und Heimatverein Mücheln e.V. aus dem Jahr 2008, beschreibt die Kirche Stöbnitz wie folgt:
Der Kirchenbau stammt aus dem Jahr 1782 / 1783. Im Turm hingen ursprünglich 3 Glocken. Die älteste Glocke wurde 1666 gegossen. 1895 zersprang die Mittelglocke und wurde daraufhin mit der kleinen Glocke umgegossen.
Heute befindet sich noch eine Glocke, welche 1924 in der Ulrich Werkstatt Apolda gegossen wurde, auf dem Turm der einen quadratischen Unterbau, einen achteckigen Oberbau und eine gebrochene Haube mit Spitze hat.
Aus der Zeit des Kirchenbaues stammt auch die dreiseitige Empore, der Kanzelaltar und die
Logenvorbauten. Die Schmuckelemente des Altars zeigen den Beginn der klassizistischen Epoche an.
Der Taufstein, eine flache Schale, stammt aus romanischer Zeit. Das vorhandene Kruzifix ist aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die Orgel vom Orgelbaumeister Hammer aus Hannover wurde in den 60-er Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgebaut.
Ein großes Bleiglasfenster an der Nordseite zeigt den Erzengel Michael im Kampf mit einem Drachen – dem Symbol der gottesfeindlichen Mächte.
Unter den Emporen befinden sich jeweils zwei kleinere Glasfenster. Dargestellt werden darauf die 4 Evangelistensymbole, der heilige Lukas als Stier, der heilige Matthäus als Engel sowie der heilige Markus als geflügelter Löwe und Johannes als Adler.
Diese wurden 1948 bei der Naumburger Firma Seyfart & Issenmann in Auftrag gegeben.
Zwei Grabplatten sind in der Kirche an den Wänden aufgestellt. Diese zeigen Eberhart von Breitenbauch im Plattenpanzer und mit steifer Halskrause (etwa 1580 – 1590), sowie einen jüngeren Ritter von 1594.
Abschließend wurde festgestellt: „Die Kirche ist zurzeit in einem baulich schlechten Zustand.“
Kirchen prägen seit Jahrhunderten das Bild der Ortschaften und waren und sind ein Zentrum des öffentlichen Lebens.
Diese Zeugen der Geschichte und Orte des Glaubensbekenntnisses zu pflegen und zu erhalten haben sich viele Kirchengemeindeglieder und Bürger zur Aufgabe gemacht.
In den 1970-er Jahren wurde die Kirche Stöbnitz letztmalig für Gottesdienste geöffnet, danach nutzten die Gemeindeglieder nur noch einen kleinen Raum, die sogenannte Winterkirche. Das Gebäude selbst war in keinem guten Zustand.
2019 erwarb der Berliner Dermatologe Prof. Dr. med. Berthold Rzany die entwidmete evangelische Kirche aus dem 18. Jahrhundert, welche zurzeit behutsam restauriert wird und nach Abschluss der Arbeiten ein Ort für Kunst und kulturelle Aktivitäten in Stöbnitz sein soll. Unterstützung bekommt er von Einwohnern von Stöbnitz.
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Hintergründe & Geschichte: Stadtarchiv Mücheln
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