Entlang des Mühlenwanderweges Mücheln (G.)

"Das Geiseltal" erhielt seinen Namen vom Geiselbach. 17 Mühlen hat die Geisel in der Vergangenheit betrieben, ehe ihr Wasser bei Merseburg in den Gotthardtsteich floss. Am Oberlauf des Baches finden wir heute noch fünf ehemalige Mühlengebäude.

 

Vor Ort St. Micheln aus führen in westlicher Richtung verschiedene Rad- und Wanderwege in die Naturschutzgebiete "Müchelner Kalktäler", zum "Hesseltal" und in den "Gleinaer Grund". Wir aber wandern den Lauf der Geisel von der Quelle stadteinwärts,  durch den früheren Wassergarten, dem heute neugestalteten Parkplatz. Von dort geht es entlang der Straße zu einer kleinen Furt mit einer kleinen Brücke über die Geisel, weiter zur Reitergasse. Wir begeben uns weiter die Straße entlang und erreichen nach wenigen Metern auf der rechten Seite eine eingefasste Quelle, einer der 12 Apostelquellen. Die Mehrzahl dieser Quellen versorgen die Einwohner der Stadt mit Trinkwasser und nur wenige sprudeln noch zutage.

Das Quellwasser fließt einer gegenüberliegenden Forellenanlage zu, ehe es in die Geisel mündet. Eine Tafel an den Apostelquellen weist auf die erste Wassermühle entlang des Mühlenweges hin. In der Spring- oder Elbertsmühle war der erste namentlich bekannte Müller 1633 tätig. 

 

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Das Foto aus dem Jahre 1998 zeigt noch den intakten Zustand im Inneren der Mühle.

            

Weiter entlang dem Lauf der Straße, vorbei an den Forellenteichen und der Waldhaushohle treffen wir auf die zweite Mühle am Geisellauf, die "Floreis- oder Apelmühle".

Dieses Gebäude steht auf Grundmauern aus dem 14. Jahrhundert. Die Mühle hatte eine bauliche Besonderheit, sie besaß ein oberschlächtiges und ein unterschlächtiges Mühlrad. Um 1760 war die Mühle ein "Freigut", der Müller brauchte keine Abgaben oder Frondienste leisten. 

Der letzte Müllermeister, Martin Apel, betrieb sein Handwerk zuletzt mit Elektroenergie noch bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhundert. Die Geisel fließt heute noch unter dem Wohngebäude hindurch.    

 

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Auf unserer weiteren Wanderung überqueren wir die Brücke und benutzen den links der Geisel entlangführenden "Pastorendamm". Parallel dazu floß einst das Teilstück der Mahlgeisel, welches das Rad der Kirchmühle mit Wasser versorgte. Nachdem wir das Pfarrhaus passiert haben, führt uns ein Steg über die Geisel zur Kirche St. Ulrich, erbaut nach den Plänen des Merseburger Stiftsbaumeisters J. W. Chryselius. Die im Barockstil erbaute Kirche wurde 1795 eingeweiht. Die innere Ausstattung ist stilistisch sehr reizvoll und noch original vorhanden. Von der Geiselbrücke blicken wir auf die ehemalige "Kirchmühle" oder auch "Löwe-Mühle". Über dem Hauseingang findet sich das Wappen derer von Breitenbauch, in dessen Besitz die Mühle bis 1760 war. Nach mehrfachen Wechsel der Eigentümer, gelangte sie 1796 in den Besitz der Familie Löwe. 1904 verunglückte der Müller in der Mühle tödlich. Die Geschäfte wurden von seiner Frau und danach bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts von deren Töchtern weitergeführt. Deshalb hieß die Mühle auch im Volksmund "Weibermühle".

 

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Auf dem nahegelegenen Friedhof ist die Erbbegräbnisstätte derer von Helldorff zu sehen. Weiterhin zu entdecken sind hier das Wasserschloss, der Barockgarten und der Landschaftspark mit seltenen Nadelholz- und Laubholzarten.

Wandern wir weiter dem Geisellauf entlang, erreichen wir die vierte Mühle, die ehemalige Gutsmühle. Diese hat im Laufe der Zeit ihren Namen und Besitzer oft gewechselt. 1761 fand sie als "Pulvermühle" Erwähnung. Salpeter aus Schächten der Hüttenwende in St. Ulrich gewonnen, wurde hier verarbeitet.

1868 ließ der neue Besitzer der Mühle, Rittmeister von Helldorff, diese abreißen und neu errichten. Von nun an hieß die Mühle auch "Herrenmühle". Der Mühlenbetrieb wurde um 1933 eingestellt.

 

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Wir überqueren das alte Geiselbett und erreichen nach wenigen Schritten eine Quelle im Uferbereich des Baches, den "Born". Einwohner holten früher hier Wasser und schworen auf dessen Reinheit und Geschmack. Einhundert Meter bachabwärts führt uns der Weg wiederum über eine Brücke zum Wohngebiet "Hüttenwende". Wandern wir zwischen dem Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes und dem Ufer der Geisel entlang, bietet sich eine herrliche Ansicht zur Altstadt mit den markanten Türmen von Rathaus und Kirche. Wir überqueren die Geisel erneut und sind in wenigen Minuten im historischen Stadtkern.

Vom Marktensemble mit seinem prachtvollen Rathaus über den Kirchberg und die Mühlstraße führt uns der Weg zum letzten noch erhaltenen Mühlengebäude. Diese Mühle ließ 1586 der Baron von Breitenbauch erbauen. Sie bestand aus der Uber- und Untermühle und erhielt ihre Antriebskraft von dem Wasser der Mahlgeisel. Im Jahre 1916 baute der damalige Besitzer Carl Eduard Hohmann die Mühle umfangreich um und stockte sie im Fachwerkstil auf. Beim letzten Müllermeister Karl Homannn klapperte die Mühle mit Elektroantrieb bis zum Jahre 1971.

 

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Entlang der Mahlgeisel, welche am Fuße der Mühle wieder zutage tritt, begeben wir uns in das "Gehüfte" und erreichen wiederum eine Brücke an der Geisel. Vor uns erhebt sich das Wahrzeichen von Mücheln, das 1964 erbaute Viadukt der Eisenbahnstrecke Merseburg - Querfurt mit seinen 7 Bögen und gelangen dann durch den Fußgängertunnel zu den Rad- und Wanderwegen rund um den Geiseltalsee. Genießen Sie den Ausblick auf die Seenlandschaft. Wir sind am Ziel unserer Wanderung angelangt. Die Geisel fließt nach wenigen hundert Metern in den größten See Sachsen-Anhalts.